Gerhard Richter im Neuen Museum Nürnberg, George Grosz’ weniger bekannte Collagen in Berlin und alte Meisterinnen in Basel – das sind unsere Ausstellungstipps für März
Von
27.02.2024
/
Erschienen in
Erschienen in Weltkunst Nr. 224
Schirn Kunsthalle, Frankfurt, 29. Februar bis 26. Mai
„I said a-hip, hop, the hippie, the hippie to the hip hip hop-a and you don’t stop the rock“: Mit dieser Wortakrobatik in den ersten Zeilen des Songs „Rapper’s Delight“ der Sugarhill Gang beginnt 1979 der Siegeszug des, na klar – Hip-Hop! Die einflussreichste Musikströmung des späten 20. Jahrhunderts hat ihre eigene Mode (Streetwear) und Kunst (Graffiti) hervorgebracht. Jetzt wird sie mit Werken wie dem oben abgebildeten Foto „Cardi B Unity. 2017/1438 (Gregorian/Hijri)“ von Hassan Hajjaj museal aufbereitet.
Kunstmuseum Basel, 2. März bis 30. Juni
Malende Frauen hatten in Europa über Jahrtausende mit gesellschaftlichen Vorurteilen zu kämpfen. Ganz unmöglich war eine Künstlerinnenkarriere aber nicht: So war Judith Leyster noch keine 25 Jahre alt, als sie 1629 in die Haarlemer Lukasgilde aufgenommen wurde. Dass sie ihre Arbeit mit Freude verrichtete, beweist nicht nur ihr „Lustiger Zecher“ (1620–1640). So leichthändig führte sie den Pinsel, dass ihre Gemälde lange fälschlicherweise für Arbeiten von Frans Hals gehalten wurden. In Basel ist Leyster nun neben anderen alten Meisterinnen wie Marietta Robusti („La Tintoretta“), Lavinia Fontana, Angelika Kauffmann oder Rachel Ruysch zu bewundern.
Akademie der Künste, Berlin, bis 1. April
Es gibt Verbindungen zwischen Kunstschaffenden, von denen die Öffentlichkeit nichts ahnt. Eine solche bestand zwischen der ostdeutschen Fotografin Gundula Schulze Eldowy und ihrem amerikanischen Kollegen Robert Frank. Letzterer war bereits durch seine Fotobuch-Kulturstudie „The Americans“ (1958) berühmt, als er 1985 in einem Garten in Ostberlin auf Schulze Eldowy traf, die ihm eigene Arbeiten präsentieren durfte. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die nun in Berlin gewürdigt wird und zu vielen berührenden Fotografien führte – so wie „Robert Franks Augen im Rückspiegel, New York, 1990“ von Schulze Eldowy. Deren schönsten Bilder – abseits des Freundschaftsthemas – zeigt zudem das Berliner Bröhan-Museum bis 14. April.
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, bis 20. Mai
Lauernd hebt er den Kopf, jener Adler, den im 17. Jahrhundert der Künstler Hashimoto Senkei mit Tusche auf eine Hängerolle malte. Was hat der majestätische Vogel wohl im Blick? Vielleicht den Karpfen, der auf einer eisernen Tsuba abgebildet ist. Dieses Stichblatt eines Schwertes wurde 1863 vom Kunsthandwerker Kanō Natsuo mit Einlagen aus Gold und Silber verziert. Solche Prunkstücke aus der Sammlung Ostasien des Museums für Kunst und Gewerbe treffen jetzt auf japanische Tuschemalereien und Farbholzschnitte, die 2021 für das Haus mit der Sammlung Walter Gebhard angekauft wurden. So öffnet sich ein herrliches Panorama auf die faszinierende Kultur der Edo-Zeit (1603–1868).
Neues Museum Nürnberg, ab 23. Februar
Der berühmteste lebende deutsche Maler ist an einigen Orten im Land zu entdecken: Neben Dresden (Heimatstadt), Köln (Wahlheimatstadt) und neuerdings Berlin (100-Werke-Leihgabestadt) ist auch Nürnberg eine Gerhard-Richter-Town. Dort gibt es das Neue Museum, das vor zehn Jahren mit der Sammlung Böckmann eine Dauerleihgabe erhielt, die rund 30 Werke des Malers umfasst. Fast alle dieser Arbeiten werden nun erstmals zusammen dauerhaft in drei Räumen gezeigt. Die Sammlung enthält verwischt figurative Hits wie das Porträt „Brigid Polk“, ein Seestück oder ein Kerzenbild sowie ungegenständliche Werke, etwa das „Abstrakte Bild“ (1978), das vielleicht nicht jeder gleich als Richter-Bild erkennt.
Das Kleine Grosz Museum, Berlin, bis 3. Juni
Mit der satirisch überspitzten Darstellung von staatstragenden Machtmenschen in seinen Malereien stieß der Dadaist George Grosz seine Zeitgenossen regelmäßig vor den Kopf. Nun zeigt das Kleine Grosz Museum eine Auswahl seiner weniger bekannten Collagen und Fotomontagen. In diesen kombinierte der Künstler Schnipsel aus Werbeanzeigen und eigene Zeichnungen. Besonders in der Zeit nach 1945 schuf er Kompositionen, in denen das provokante Durcheinander geradezu wütet. Etwa in seinem Spätwerk „Purgatory“ von 1958: Reichlich rohes Fleisch, das durch die Fegefeuer-Collage stürzt, stellt einen seiner skurrilen Bilderwitze dar.