Von den komplexen Bildwelten Michael Triegels in Aachen über die Videoarbeiten von Francis Alÿs in Köln bis hin zu Kunstschätzen aus Korea in Dresden – diese Museumsausstellungen sollten Sie im April nicht verpassen
ShareSuermondt-Ludwig-Museum, Aachen, bis 15. Juni 2025
Darf man so malen wie Michael Triegel? Darf man heute Bilder schaffen in Manier eines Renaissancemeisters oder barocken Künstlerfürsten – so, als hätte es Fernsehen, Pop und KI nie gegeben? Wer die Überblicksausstellung „Jenseits des Sichtbaren“ des 1968 geborenen Erfurters im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen besucht, findet die Antwort schnell: Man darf nicht nur, man muss unbedingt! Denn für Triegel ist der altmeisterliche Stil die Eintrittspforte in ein Reich komplexer, auch moderner Erzählungen. Die Kinderzeichnung auf einem Zettel, die er in einem Werk über das Gesicht einer Madonna komponiert, kann viele Bedeutungen haben: Sie mag als Zeichen für die kindliche Liebe verstanden werden, das stolz an Kühlschranktüren geheftet wird. Oder als Symbol für die karge finanzielle Kompensation der Mutterrolle in unserer Gesellschaft.
Grimmwelt Kassel, bis 6. Juli 2025
Mit viel Papier und noch mehr Fingerspitzengefühl formt Alexej Tchernyi ganze Welten: Herren mit steifen Zylindern, Prinzessinnen zu Pferde, musizierende Mäuse und Postkutschen mit geheimnisvoller Fracht bevölkern seinen Dioramen. In der Grimmwelt Kassel entführt uns der ukrainische Künstler in die Zeit der märchensammelnden Brüder und nutzt dafür eine typische Kunstform jener Epoche: das von hinten beleuchtete Durchscheinbild. In der Schau „Licht-Bilder“ lassen sich die filigran geschnittenen Figuren ebenso bestaunen wie Tchernyis Methode, durch Überlagerung von Papierschichten Hell- und Dunkeltöne zu erzeugen.
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, bis 10. August 2025
Dank seiner zeitgenössischen Kulturexporte von K-Pop bis „Squid Game“ hat Korea in der vergangenen Dekade viele Aufmerksamkeit erhalten. Allerdings spiegelt sich dieser Erfolg im Westen bisher kaum in kunsthistorischen Ausstellungen wider. Ein wenig ändert sich das jetzt, hoffentlich, denn die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden präsentieren „100 Ideen vom Glück. Kunstschätze aus Korea“. Zu den Highlights der Schau im Residenzschloss gehört eine Goldkrone des Silla-Königreichs, die im 5. Jahrhundert entstand und in einem Grabhügel der antiken Stadt Geumgwanchong gefunden wurde. Doch auch alltäglichere Objekte wie die Norigae – Glücksbringer, die zur traditionellen Tracht koreanischer Frauen gehören –, öffnen den Blick für eine andere Kultur. Von den 180 gezeigten Objekten sind zahlreiche zum ersten Mal außerhalb Koreas zu sehen.
Museum Ludwig, Köln, 12. April bis 3. August 2025
Afghanistan, Irak oder Ukraine – für seine Videoarbeiten wagt sich Francis Alÿs oft in Krisengebiete. Vor Ort sind meist Kinder diejenigen, die ihn als erstes neugierig auf seine Arbeit ansprechen. Diese Begegnungen wurden Anlass für eines der schönsten Werke unserer Gegenwart: Der belgische Künstler begann 1999 mit seinem Videozyklus „Children’s Games“, der Kinderspiele auf der ganzen Welt zeigt. Das Kölner Museum Ludwig präsentiert die Filme. Einerseits macht es total gute Laune, mitanzusehen, wie sich drei Mädchen in Hongkong im Seilspringen üben oder eine Kinderbande in den Schweizer Bergen rodelt. Andererseits begreift man, dass dieses Toben im öffentlichen Raum seltener wird und dass Alÿs hier einige uralte Spiele dokumentiert, die – wie das kongolesische Kinsolo mit Mulden und Steinen – langsam verschwinden.
Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, 11. April bis 31. August 2025
„Ich versuche die Zeiten festzuhalten, in denen wir leben“, sagt Robert Longo in einem Videointerview, das das Louisiana Museum of Modern Art im dänischen Humlebæk mit dem New Yorker Künstler im Vorfeld seiner Retrospektive geführt hat. Nachrichtenbilder etwa von Flüchtenden in einem Schlauchboot oder von Studierendenprotesten gegen den Krieg im Gazastreifen überträgt er in Kohlezeichnungen, die teilweise Längenmaße von sieben Metern erreichen. Weil das Publikum diese Schwarz-Weiß-Denkmäler zuerst für Fotografien hält, schaut es beim zweiten Blick lieber genauer hin. Dann hat Longo sein Ziel erreicht
Kunstmuseum, Albstadt, bis 18. Januar 2026
Großstädte wie Dresden, Düsseldorf oder Berlin waren die Inspirationsquelle für die bitterbösen Gesellschaftsanalysen von Otto Dix. Und doch wirken die Blätter aus der Zeit des Verismus allgemein wahrhaftig und daher auch in kleineren Orten keineswegs fehl am Platz: Das Kunstmuseum der Stadt Albstadt bewahrt als Teil seiner kommunalen Sammlung auch 446 Zeichnungen und druckgrafische Werke von Dix. Dieses beachtliche Konvolut wird nun anlässlich des 50-jährigen Bestehen des Hauses in einer Doppelausstellung mit dem Titel „Otto Dix – Alpha Omega. Der komplette Bestand“ präsentiert. Der „Alpha“-Teil der Schau läuft bereits und überschneidet sich bis zum 12. Oktober mit dem beschließenden „Omega“-Part (vom 27. Juni bis 18. Januar 2026). Mehr als genug Zeit also, Albstadt mehrfach zu besuchen und den großen Menschenkenner Dix wirklich umfassend zu studieren.