Das Atelier des Kölner Künstlers Philip Emde gleicht einem Plüschtierzoo. Die Steifftiere, die er seit seiner Kindheit leidenschaftlich sammelt, sind Teil seiner künstlerischen Arbeit. Wie es dazu kam, und was man von den Tieren lernen kann, erzählt er bei einem Atelierbesuch
ShareWährend des Studiums war ich besonders an Alltagssituationen interessiert. Damals habe ich besonders viel mit Skizzenbüchern gearbeitet und vor Ort gezeichnet. Zum Beispiel gibt es aus dieser Zeit eine Serie von Menschen am Strand. Abends sind wir auch oft mit ein paar Kollegen in Jazz Clubs gegangen und haben geschaut, wie die Musik sich auf den Strich auswirkt. Da ging es mir nicht um eine realistische Darstellung. Aber Steiff-Tiere habe ich schon immer gesammelt.
Eigentlich im Mutterbauch. Bei meiner Geburt durch den Kaiserschnitt hat der Arzt mir aus Versehen in die Wange geschnitten. Zur Wiedergutmachung hat er mir ein etwa 20 cm großes schlafendes Steiff-Lamm geschenkt, das mich in meiner Kindheit begleitet hat. Von da an habe ich eigentlich immer wieder Steiff-Tiere geschenkt bekommen, weil meine Großmutter und meine Mutter sie auch sehr mochten.
An Weihnachten war das Highlight ein Schaufenster von Galeria Kaufhof in Mannheim, das von Steiff bespielt wurde. Als ich fünfzehn war, habe ich mir von dem Geld, das ich mir bei einem Nebenjob verdient habe, einen limitierten großen Löwen gekauft. Zum Abitur gab es dann einen Leoparden von meiner Großmutter. Einen Teil meiner Sammlung hatte ich von Anfang an im Atelier und hab die auch früher ab und zu gezeichnet, da hat es sich eigentlich schon angedeutet, dass die mal eine Rolle spielen könnte.
Heute läuft das Ganze über Ebay-Kleinanzeigen. Der Zeitraum, der mich interessiert, ist 1950 bis 1980/1985. In dieser Zeit wurden die Tiere alle noch per Hand gefertigt, es gab andere Gesichter, die Mimiken sind unterschiedlich. Danach wurde die Produktion umgestellt, die Tiere wurden nicht mehr aus Holzwolle und Mohair hergestellt. Das fand ich tatsächlich auch immer faszinierend, dass man aus Ziegenwolle Affen herstellt.
Das war schon bei Ruttkowski mit der Arbeit „Peggy“, ein Augenzwinkernder Gruß an Martin Kippenbergers Arbeit „Martin, ab in die Ecke, und schäm dich“. Da stand ein Pinguin der Ecke zugewandt. Irgendwann bin ich dann dazu übergangen, Bilder und Steiff-Tiere zu kombinieren, daraus entstand „Affe vor Bild“. Die Rahmen habe ich extra dafür entworfen, mit Steg, um die Steiff-Affen vor die Bilder setzen zu können. Da konnte man den Steiff-Tieren menschenähnliches Verhalten verleihen. Sie reagieren dabei auf die Kunst, sind verzückt, diskutieren, umarmen sich oder wenden sich entrüstet ab. Das ist direkt abgeschaut beim Verhalten von Kunstbetrachtern. Ich finde es gut, wenn man bei den Arbeiten schmunzeln kann.
„. Emdiland ..“ ist mein Atelier. Es ist ein eigener Kosmos, mit geordnetem Chaos. Hier kann ich machen was ich will, das ist mir wichtig. Manche kommen rein und finden es viel zu voll. Aber ich möchte dieses Zeug um mich haben. In meiner Malerei sind ja viele „. Emdiland ..“-Szenen mit Darstellungen meiner Sammlung, wie sie hier im Atelier aufbewahrt ist.
Oft habe ich eine leichte Vorzeichnung, die Tiere habe ich nicht direkt vor Augen. Zu Beginn weiß ich nie wie das Bild am Ende aussehen und wo die Farbe mich hinführen wird. Bei jedem Tier ergeben sich andere Möglichkeiten. Es gibt Routinen, die ich versuche zu durchbrechen. Fehler finde ich wichtig, es soll Spannung entstehen. Eine gewisse Sperrigkeit finde ich gut. Zum Beispiel bei dem neuen Werk „S.T.E.P.S.“ ist der Anschluss zwischen den verschiedenen Teilen nicht perfekt, so dass der Dackel zwei Schnauzen hat. Das hat mein persönliches Vokabular um einen Buchstaben bereichert.